Teurer Absinth
Nicht jede Fee erfüllt Wünsche
Wer würde nicht gern einer guten Fee begegnen, die Wünsche erfüllt? Träumen ist erlaubt, und so hätten besonders Künstler des ausgehenden 19. und des frühen 20. Jahrhunderts eine solche Begegnung vielleicht als Lebens rettend empfunden. Stattdessen genossen sie die Rauschzustände, die ihnen die so genannte Grüne
Fee, der Absinth, verschaffte.
Zu jener Zeit erfreute sich dieses alkoholische Wermut-Getränk sehr großer Beliebtheit. Bedeutende Namen aus der Bohème sind mit dem Absinth-Trinken verbunden. Und da ihm ? je nach Rezeptur ? außer Wermut, Anis und Fenchel nicht nur verschiedene Kräuter beigemengt wurden, sondern auch ein grüner Farbstoff, bekam das Getränk den verträumten Beinamen Grüne Fee.
In den Anfangsjahren des letzten Jahrhunderts wurde Absinth in einigen Ländern Europas und in den USA verboten. Man sagte ihm nach, er mache süchtig. Diese Behauptung kann heutzutage nicht untermauert werden. Das expensive Getränk darf wieder hergestellt und getrunken werden ? ganz legal.
Die Qualität des Absinths hängt von der Güte der beigefügten Kräuter ebenso wie vom Alkoholgehalt ab. Nun liegt dieser zwischen 45% und 78%, bei einigen Sorten noch darüber. Zusammen mit dem darin enthaltenen Thujon, einem Bestandteil des ätherischen Wermut-Öls, birgt das Getränk tatsächlich die Gefahr, für den menschlichen Körper schädlich zu sein. Aber wie bei den meisten Dingen im Leben kommt es auf die Dosierung an. Ein Glas vom expensiven Absinth muss nicht zwangsläufig Halluzinationen hervorrufen.
Heutzutage gibt es Grenzwerte. Thujon und Alkohol können dem Erzeugnis nicht willkürlich hinzugefügt werden und ein besonders teurer Absinth muss nicht immer die beste Qualität haben. Es gibt unterschiedliche Rezepturen und viele Sorten. Letztendlich entscheiden der Geschmack und der Geldbeutel.
Doch ob teuer oder sehr teuer, der Alkohol, der die französische Künstlerszene so sehr belebte und der ? im bildlichen Sinne gesprochen ? sogar für manches Gemälde jener Zeit als Modell diente und darauf verewigt ist, erfährt eine Renaissance.
Die Liebhaber dieses Getränkes zelebrieren, heute wie damals, unterschiedliche Rituale. In jedem Fall wird Absinth verdünnt getrunken, ob mit oder ohne Zucker, hängt vom Landesbrauch ab und sagt nichts über seine Qualität aus. Selbstverständlich gibt es für den außergewöhnlichen Genuss auch außergewöhnliche Gläser und Karaffen.
So versüßt die Darreichungsweise das Bittergetränk und macht es auch optisch zu einem expensiven Genuss. Schließlich sollen Inhalt und Form eine Einheit bilden.
Auch wenn die Grüne Fee keine Wünsche erfüllen kann, so hat sie sich doch selbst erfüllt ? es gibt ihn wieder, den Lieblingsalkohol der Bohème mit dem anrüchigen Geschmack des Geheimnisvollen.
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